Jeden Tag eine gute Tat
Januar 24th, 2006 Andastra
Heute für den Bruchteil einer Sekunde eine verhärmte, hoffnungslose und leicht burschikos anmutende Beamtin aus ihrer deprimierenden Lethargie gerissen. War im Amt, um meine verbaselte Lohnsteuerkarte ersetzen zu lassen. In Wahrheit hatte ich sie gar nicht verbaselt – sondern die.
Beamtin: „Na, da hamwa’se wohl vergessen, wie?!“
Ich: „JUHU!“
Daraufhin hat sich mich lange angeschaut, hat mir mit ihren Augen zugeflüstert, ihr sei, als ob es tausend Anträge gäbe und hinter tausend Anträgen keine Welt – und da ist es dann passiert – fast unmerklich und nur für den aufmerksamen Beobachter wahrnehmbar, hob sich plötzlich ihr Jochbeinmuskel (Zygomaticus major), der den Jochbogen mit dem Mundwinkel verbindet, um ein My und ihr Gesicht verzerrte sich zu einem beinahe ausgelassenen Grinsen. Es war so schnell vorbei, wie es angefangen hatte, Zygomaticus major erschlaffte erschöpft, der Drucker spie meine Lohnsteuerkarte aus und ich musste Frau S. in ihrem Leid zurücklassen.
Entry Filed under: Überwiegend Harmlos
3 Comments
1. Dodger | Januar 24th, 2006 at 14:43
Sollte es tatsächlich Beamte in solchen Ämtern geben, die Ihr eigenes Leid erkennen? Sind das Menschen wie du und ich? Heute ist ein Tag voller schockiernder Einsichten.
2. Andastra | Januar 24th, 2006 at 16:00
Die Zeit der Erkenntnis war bei Frau S. ganz offensichtlich lange vorbei. Die kam wohl kurz vor der Zeit, als sie aufgehört hat, Mensch zu sein. Sei also ganz beruhigt .
3. Dodger | Januar 25th, 2006 at 00:51
Dann gehts ja 😀